Kirchliche Frauenarbeit vor 120 Jahren

Die Katholische Frauenbewegung Steiermark jubiliert: Mit einem Festgottesdienst am 28. Juni 2026 begeht sie ihr 75-jähriges Bestehen. Der Blick zurück in die Geschichte zeigt, dass Generationen von Frauen – entsprechend dem Motto des heurigen Jubiläums – stets „bewegt“ und „beherzt“ gemeinsam „unterwegs“ waren. Auf vielfältige Weise haben sie, den Zeitumständen entsprechend, die Botschaft Jesu verkündet und sich für eine gerechtere und lebenswertere Welt eingesetzt.
Die Vorläuferin der Katholischen Frauenbewegung ist die „Katholische Frauenorganisation für Steiermark“ (KFO). Diese konstituierte sich am 2. Dezember 1906 in den ehemaligen Steinfeldsälen der Brüder Reininghaus in der Grazer Schießstattgasse 4. Initiatorin dieser überhaupt ersten großen Katholikinnenorganisation der Habsburgermonarchie war Helene Gräfin Waldstein-Wartenberg (1836–1916), die jener bis zu ihrem Tod vorstand.
Im Zuge der Gründung, die aus weltanschaulichen Motiven erfolgt war und zum Vorbild für andere Diözesen und Länder wurde, hatten sich mehrere katholische Frauenvereine zu einer gemeinsamen Organisation zusammengeschlossen. Die Frauenorganisation verstand sich als „Gegengewicht“ zu den sozialistischen, liberalen und antikirchlichen Bestrebungen der damaligen Zeit. Zu ihren frühen Zielen zählten die soziale und religiöse Schulung von Frauen, so etwa die Laienkatechese, die Frauenbildung und die weibliche Berufstätigkeit. Während des Ersten Weltkriegs entfaltete die Katholikinnenorganisation eine eindrucksvolle sozialkaritative Tätigkeit.
Nach der Zuerkennung des aktiven und passiven Wahlrechts für Frauen 1918 kamen in der Ersten Republik Österreich parteipolitische Aktivitäten für die Christlichsoziale Partei hinzu. So wurden drei führende Vertreterinnen der KFO nach den ersten steirischen Landtagswahlen im Mai 1919 Abgeordnete: die Grazerinnen Marianne Kaufmann (1884–1973), später verehelichte Millwisch, und Olga Rudel-Zeynek (1871–1948) sowie die Fürstenfelderin Maria Rieger (1870–1930).
Frieda Mikola (1881–1958), von 1920 bis 1934 Landtagsabgeordnete, führte zunächst auf Diözesan-, dann auf Bundesebene die weibliche katholische Jugend an. 1945 gründete sie als ÖVP-Nationalratsabgeordnete zusammen mit Millwisch-Kaufmann den steirischen Flügel der Österreichischen Frauenbewegung. Rudel-Zeynek gehörte ab 1920 zunächst dem Nationalrat, dann dem Bundesrat an und stand diesem als erste Frau 1927/28 vor.
In der Zwischenkriegszeit umfasste die KFO als Dachverband ebenso den 1918 errichteten Diözesanverband der katholischen Mädchenvereine und den ein Jahr später gegründeten Verband erwerbstätiger katholischer Frauen und Mädchen. Der Katholische Frauenbund „Einigkeit“, der die Katholikinnen in mehreren Grazer Pfarren (Graben, Herz Jesu, Innere Stadt, Kalvarienberg, St. Leonhard u. a.) sammelte, der Christliche Frauenbund in Steiermark und die Christlichen Hausmüttervereine in mehr als 40 Pfarren waren des Weiteren der Zentrale der KFO angeschlossen.
Als die Vaterländische Front vom Dollfuß-/Schuschnigg-Regime (1933/34–1938) aufgebaut wurde, zählte die KFO zu den unterstützenden Organisationen. Gemeinsam waren ihnen vor allem die Frauenpolitik, die Themen der Familie und Erziehung sowie die traditionelle Rollenverteilung.
Bis zur Auflösung durch die Nationalsozialisten im Mai 1938 entwickelte sich die KFO mit 127 Ortsgruppen – von Admont bis Zeltweg – und 18 Gauverbänden zu einer der aktivsten katholischen Laienorganisationen unserer Diözese. Mehrere hundert Mitglieder wiesen etwa die Pfarren Deutschlandsberg, Fürstenfeld, Vorau, Grafendorf, Leibnitz und Pöllau auf. Weiz und Weizberg führten sogar 1350 Mitglieder an. Viele Funktionärinnen, die vor 1938 leitend tätig waren, blieben nach 1945 für den Wiederaufbau kirchlicher „Frauenarbeit“ und die Neuorganisation von steirischen Katholikinnen in der Katholischen Frauenbewegung aktiv.
Fortsetzung: Teil 2
Dieser Beitrag wurde erstmals im Sonntagsblatt für Steiermark Nr. 15 am 12. April 2026 veröffentlicht.
