Auf der Bühne erschien Heinrich Kramer. Dominikanermönch, Inquisitor, Autor des berüchtigten Traktats Malleus Maleficarum. Er kehrte zurück. Er verteidigte seine Prozesse, seine Folter, seine Urteile. Er erklärte, warum Menschen verbrannt werden müssen. Doch diesmal blieb er nicht allein. Eine Frau stand ihm gegenüber. Sie widersprach. Sie erinnerte. Sie sprach für jene, deren Stimmen ausgelöscht wurden. Aus dieser Konfrontation entstand ein musikalischer Dialog wie ein Verhör auf offener Bühne über Macht, religiösen Fanatismus und die Mechanismen der Verfolgung.
Zeitgenössische Kompositionen der Grazer Komponistin Soyeon Park trafen auf Fragmente des romantischen Kunstlieds, interpretiert vom Ensemble Windkraft – Kapelle für Neue Musik. Alexander Mitterer lieh seine Stimme dem Inquisitor. Elisabeth de Roo übernahmt die Rolle der Frau. Die Musik öffnete emotionale Räume, in denen Kramers Sprache brüchig und eine andere Stimme hörbar wurde.
Der Abend zeigte die Logik einer Verfolgungsordnung, die Angst in Schuld verwandelt und Gewalt als moralische Pflicht ausgibt. "BRENNT." ließ einen Täter sprechen und zwang das Publikum, ihm zuzuhören. Seine Argumente: religiöse Gewissheit, moralische Überlegenheit und der Wunsch nach Reinheit.
"BRENNT." erinnerte an die tausenden Frauen und Männer der europäischen Hexenverfolgungen und stellte die Frage, was geschieht, wenn eine Gesellschaft beginnt, Menschen zu Feinden zu erklären. Ein Musiktheater über brennende Scheiterhaufen, Verantwortung und die Stimmen, die trotz Feuer nicht verschwinden.
Zu sehen war das Stück am 29.5.2026 um 19:45 in der Kirche Graz St. Andrä bei der Langen Nacht der Kirchen.
Komposition: Sunyeon Park (Graz)
Autorin/Gesang: Elisabeth de Roo (Innsbruck)
Regie/Schauspiel: Alexander Mitterer (Graz)
Dirigat: Kasper de Roo (Innsbruck)
Eine Koproduktion von Theater Kaendace und dem Ensemble Windkraft – Kapelle für zeitgenössische Musik 2026.