Wenn ich an meine Mutter denke...

Eine kfb-Frau der ersten Stunde war Rosa Illek. Ihre Tochter Verena Hohenadler erinnert sich.
Wenn ich an meine Mutter denke, die leider schon vor zwölf Jahren verstorben, aber in vielen Gedanken und Bildern unserer Familie noch immer sehr lebendig ist, fallen mir zwei Dinge ein: ihr Einsatz für die Familie und ihr Engagement für Frauen.
Meine Mutter folgte 1953 der Bitte, in Graz eine Anstellung für die Katholische Frauenbewegung (kfb) Steiermark anzunehmen. Sie bezeichnete es einmal als Fügung, dass ein Großteil ihres Lebens, neben der stattlichen Familie, der Arbeit mit und für Frauen gewidmet war. Unsere Familie wuchs in kurzer Zeit enorm (elf Kinder) und zum damaligen Zeitpunkt war es keinesfalls selbstverständlich, als Frau erwerbstätig zu sein – noch dazu mit so vielen Kindern. Aber da ihr der Einsatz für Frauen am Herzen lag, versuchte sie, Beruf und Familie so gut wie möglich zu vereinbaren.
Die Arbeit mit den Frauen in den Pfarren, wo sie zahlreiche Vorträge hielt, und ihre Tätigkeit auf Diözesan- und Österreich-Ebene brachten es mit sich, dass sie viel unterwegs war, was das Familienleben natürlich beeinflusste. Es bedurfte einer guten Organisation und auch Unterstützung von vielen Seiten. Wir Kinder lernten schon früh mitzuhelfen, damit der Alltag gut funktionierte.
Ihr berufliches Engagement ermöglichte uns Kindern aber auch besondere Momente: Manchmal durften einige von uns sie auf ihren Fahrten begleiten und bei diesen „Ausflügen“ die große Wertschätzung miterleben, mit der sie überall empfangen wurde. Das zeigte uns Kindern schon früh, wie besonders unsere Mutter war.
Sie prägte den Aufbau der Katholischen Frauenbewegung in der Steiermark entscheidend mit. Mit ihrer offenen Art erfuhr sie schnell Vertrauen, Zuneigung und große Dankbarkeit.
Um die vielfältigen Aufgaben bewältigen zu können, setzte sie auf das Engagement vieler ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen. Gemeinsam wurden unterschiedliche Initiativen und Arbeitskreise getragen, wie zum Beispiel das Müttererholungswerk, die Frauenbildungsstelle oder gesellschaftspolitische Projekte. Auch internationale Kontakte gehörten dazu: Aus dem Arbeitskreis „Korea“ entstand eine Partnerschaft mit der Diözese Masan in Südkorea und durch ihren unermüdlichen Einsatz wurden zudem beachtliche Spendensummen im Rahmen der Aktion „Familienfasttag“ gesammelt, mit denen Frauen Entwicklungsprojekte im Ausland unterstützen konnten.
Ein weiteres wichtiges Anliegen war meiner Mutter der Schutz des Lebens. So wirkte sie maßgeblich an der Gründung eines „Heimes der offenen Tür“ für schwangere Frauen in Notsituationen mit. Ebenso war sie an der Entstehung der Berufsgemeinschaft für Pfarrhaushälterinnen beteiligt.
Ein prägender Moment war für mich, als meine Mutter bei einer Diözesankonferenz auf Schloss Seggau aus dem Dienst der kfb, wo sie zuletzt als Diözesanleiterin tätig war, verabschiedet wurde. In einer langen Reihe warteten die Dekanatsleiterinnen, um Geschenke zu übergeben und ihr für ihre Arbeit zu danken. Erst da wurde mir das Ausmaß ihres Wirkens so richtig bewusst.
Sehr wichtig waren meiner Mutter die Feiern in der Familie: Geburts- und Namenstage wurden aufgrund der immer größer werdenden Zahl bei „Familienfeiern“ gebündelt, der Muttertag wurde zu einem „Familientag“ umfunktioniert, der schon am Vorabend des Muttertags gefeiert wurde, damit die Kinder den Muttertag mit ihren eigenen Familien begehen konnten. Die kirchlichen Feste im Jahreskreis gehörten selbstverständlich auch dazu und wurden immer akribisch von ihr vorbereitet.
Werte, die meine Mutter mir vermittelt hat, sind Selbstvertrauen, Mut, Dankbarkeit, Einsatz für andere und Durchhaltevermögen. Ihre Sätze wie „in Gottes Namen“ oder „Jeder Tag hat genug an seiner Plag“ sind mir noch in guter Erinnerung.
Müsste ich meine Mutter mit wenigen Worten beschreiben, so wären diese: selbstbewusst, unermüdlich, kämpferisch und zugleich liebevoll, bescheiden und bis an ihr Lebensende interessiert – besonders am Leben ihrer zahlreichen Enkelkinder und anderer Menschen sowie an Kirche, Kultur und Weltgeschehen.
(Fortsetzung folgt)
Dieser Beitrag wurde erstmals im Sonntagsblatt für Steiermark Nr. 19 am 10. Mai 2026 veröffentlicht.
